Ratgeber

Wie wird Ostern berechnet?

Ostern ist der beweglichste aller Feiertage — und doch folgt er einer strengen mathematischen Regel. Wir erklären die Gaußsche Osterformel, mit der sich das Osterdatum für jedes beliebige Jahr berechnen lässt.

Warum Ostern jedes Jahr auf einem anderen Datum liegt

Die Regel für Ostern ist auf dem Konzil von Nicäa 325 festgelegt worden: Ostern fällt auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond des Frühlings. Da der Mondzyklus nicht mit dem Sonnenjahr synchron ist, wandert das Datum jährlich. Ostersonntag liegt immer zwischen dem 22. März und dem 25. April.

Aus dieser einen Regel hängen gleich mehrere Feiertage ab: Karfreitag (2 Tage vor Ostern), Ostermontag (1 Tag danach), Christi Himmelfahrt (39 Tage danach), Pfingstmontag (50 Tage danach) und Fronleichnam (60 Tage danach). Wer also Ostern berechnen kann, kennt automatisch die Daten dieser fünf Feiertage.

Die Gaußsche Osterformel

Carl Friedrich Gauß hat 1800 einen Algorithmus veröffentlicht, der das Osterdatum ohne astronomische Beobachtung rein rechnerisch ermittelt. Die Formel ist die Grundlage unseres Jahreskalenders. Für ein Jahr Y werden folgende Hilfswerte berechnet:

a = Y mod 19
b = Y div 100   (Jahrhundert)
c = Y mod 100
d = b div 4
e = b mod 4
f = (b + 8) div 25
g = (b − f + 1) div 3
h = (19·a + b − d − g + 15) mod 30
i = c div 4
k = c mod 4
l = (32 + 2·e + 2·i − h − k) mod 7
m = (a + 11·h + 22·l) div 451
Monat = (h + l − 7·m + 114) div 31
Tag = ((h + l − 7·m + 114) mod 31) + 1

Dabei steht div für ganzzahlige Division (ohne Rest) und mod für den Divisionsrest. Das Ergebnis sind direkt der Monat (3 = März, 4 = April) und der Tag des Ostersonntags.

Beispiel: Ostern 2026

Rechnen wir es für das Jahr 2026 vor:

a = 2026 mod 19 = 12
b = 2026 div 100 = 20
c = 2026 mod 100 = 26
d = 20 div 4 = 5  ·  e = 20 mod 4 = 0
f = (20 + 8) div 25 = 1  ·  g = (20 − 1 + 1) div 3 = 6
h = (19·12 + 20 − 5 − 6 + 15) mod 30 = 258 mod 30 = 18
i = 26 div 4 = 6  ·  k = 26 mod 4 = 2
l = (32 + 0 + 12 − 18 − 2) mod 7 = 24 mod 7 = 3
m = (12 + 198 + 66) div 451 = 0
Monat = (18 + 3 − 0 + 114) div 31 = 135 div 31 = 4 (April)
Tag = (135 mod 31) + 1 = 11 + 1 = 5

Ostersonntag 2026 ist also der 5. April. Daraus folgen direkt: Karfreitag 3. April, Ostermontag 6. April, Christi Himmelfahrt 14. Mai, Pfingstmontag 25. Mai, Fronleichnam 4. Juni. Genau diese Daten findest du auch im Jahreskalender.

Hintergrund: Die Gauß-Formel ist eine Näherung an die kirchlichen Mondtafeln, die ihrerseits den mittleren Mondlauf abbilden. In sehr seltenen Fällen weicht sie um eine Woche ab — für die Jahre 1954, 1981, 2049 und 2076 gibt es Korrekturregeln. Für alle praktischen Anwendungen im DACH-Raum liefert die Standardformel jedoch das korrekte Datum.

Welche Feiertage hängen vom Osterdatum ab?

  • Karfreitag — 2 Tage vor Ostersonntag (Freitag)
  • Ostermontag — 1 Tag nach Ostersonntag (Montag)
  • Christi Himmelfahrt — 39 Tage nach Ostern (immer Donnerstag)
  • Pfingstmontag — 50 Tage nach Ostern (Montag)
  • Fronleichnam — 60 Tage nach Ostern (immer Donnerstag)

Weil Christi Himmelfahrt und Fronleichnam immer auf einen Donnerstag fallen, sind sie die zuverlässigsten Brückentag-Quellen des Jahres — mehr dazu im Artikel Brückentage 2026 strategisch nutzen.

Fazit

Was wie Kirchenpolitik aussieht, ist in Wahrheit angewandte Zahlentheorie. Die Gaußsche Formel erlaubt es, Ostern für jedes Jahr der Zukunft (und Vergangenheit) zu berechnen — und damit auch alle davon abhängigen Feiertage. Genau diese Berechnung läuft im Hintergrund unseres Jahreskalenders, vollständig im Browser ohne jeden Serverkontakt.